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Presse
Schnell den roten Faden verloren
Gedanken zur Broschüre "Vom Tuchmachergewerbe zur Gubener Wolle"

Bislang fehlte eine ausführliche Darstellung über die Entwicklung der Gubener Tuchherstellung. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass sich eine Arbeitsgruppe intensiv über längere Zeit damit befasste, diese Lücke zu schließen. Dies um so mehr, als diese Branche, neben der Hutindustrie, lange Jahrzehnte die bestimmende Produktion in Guben darstellte und tausenden Familien Lohn und Brot gab.
Diese Arbeit, die Manfred Augustyniak im Neiße-Echo überzogen als ersten Versuch „einer zusammenhängenden Darstellung der Textilwirtschaft in Guben“ anpries, wartet mit zahlreichen Fotos und einigen Dokumenten auf, die Kundige schnell als Erstveröffentlichung zu würdigen wissen. Leider verzichteten die Autoren auf einen Abbildungsnachweis, das Interessierten deren Herkunft erschließt.
Wichtige historische Ereignisse und Prozesse von nationalem Rang, die sich auch direkt auf die Gubener Tuchproduktion auswirkten, finden sich in der Arbeit auffälliger Weise nur angedeutet. So z. B. die revolutionären Ereignisse der Jahre 1848/49. Die hiesigen Streiks in den Tuchfabriken – u. a. im Gubener Heimatkalender von Paul Grünitz ausführlich dargestellt - sind den Autoren keine Zeile wert, wohingegen sie die Eröffnung der Gubener Eisenbahn 1846 fälschlicherweise mit jenen Ereignissen in Verbindung bringen. Ähnlich verhält es sich mit dem mehr als vier Jahre währenden Ersten Weltkrieg, der sich hier lediglich in wenigen Zeilen niederschlägt.
Ausführlich gehen die Autoren auf die unbestreitbar schlechte soziale Lage der Beschäftigten in der Gubener Tuchindustrie ein. Weshalb als Beleg dafür ein „Tabakarbeiter“ mit seinen Erinnerungen (S. 23) angeführt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Bietet doch der Band „Mein Arbeitstag – mein Wochenende; Arbeiterinnen berichten von ihrem Alltag 1928“ auf mehr als 200 Seiten betroffen machende authentische Schilderungen, ausschließlich aus der Textilbranche.
Hierbei stehen zu bleiben, lässt jedoch ungeklärt, weshalb zwei Gubener Tuchfabrikanten – Samuel Schlief und Adolf Wolf – Ehrenbürger der Neißestadt wurden. Für die Zahlung geringer Löhne sicher nicht. Soziales Engagement und anerkanntes, teilweise jahrzehntelanges Wirken in kommunalen, kulturellen und kirchlichen Einrichtungen von Guben passten offenbar nicht in das traditionelle „Fabrikanten sind Ausbeuter-Bild“ der Autoren. Mit Adolf Wolf finanzierte ein Tuchfabrikant die Errichtung des Museums am Werder-Tor. Er stiftete zudem ein farbiges Fenster der Gubener Stadt- und Hauptkirche sowie die neuen Kirchenglocken für selbige Kirche, deren Vorgänger im 1. Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen worden waren. Guben wusste indes verdiente Industrielle vor Jahrzehnten durchaus zu ehren: es gab einen „Schemelsweg“, eine „Adolf-Wolf-Höhe“, eine „Cockerill-Straße“.
Wiederholt wird aus einer „unveröffentlichten Diplomarbeit von Manfred Augustyniak“ zitiert. Deren Titel erfährt der Leser indes nicht. Dazu muss man in den Gubener Heimatkalender 1971 (S. 81/82) schauen, in dem Gerhard Gunia besagte Arbeit rezensiert. Sie lautet mit vollem Titel: „Rolle, Bedeutung und Aufgaben des demokratischen Selbstverwaltungsorgans der Stadt Guben in der ersten Etappe der antifaschistisch-demokratischen Revolution (April 1945 bis herbst 1946).“ Herr Gunia hob dabei „die parteiliche Wertung der damaligen Ereignisse“ durch Herrn Augustyniak hervor. Diese Einschätzung von 1971 trifft auch heute noch zu.
Um so mehr verwundert es, auf S. 49 zu lesen, dass „in den Textilbetrieben Lehmann & Richter und Reißner Wohl & Co. jüdisches Kapital enthalten“ war. (Hervorhebung – A.P.) „Jüdisches Kapital“ – ein gern und oft gebrauchtes Propaganda-Schlagwort der Nazis - und hier wird es unbekümmert und unkommentiert benutzt. Doch bevor man sich in weiteren Irritationen verfängt, wird auf S. 70 wieder die „parteiliche Wertung der damaligen Ereignisse“ vorgenommen. Dort heißt es nämlich „Am 20. Juni 1945 begann die Ausweisung der dt. Bevölkerung aus dem östlichen Teil der Stadt.“ (Hervorhebung – A.P.) Was spielt es da schon für eine Rolle, dass im neuen Gubener Heimatlexikon von 2002 den „Vertreibungen vom 20. Juni 1945“ ein ausführliches Stichwort gewidmet ist und sich selbst neuere seriöse polnische Historiker diese Einschätzung vertreten?!
Sprechen die Ausführungen der Autoren zu den Auszeichnungen der „Gubener Wolle“ auf der Leipziger Messe (S. 132/133) von der Hochachtung gegenüber den Leistungen der damaligen Belegschaft, so fragt sich, weshalb der „Grand Prix“ den die Gubener Tuchfabrik Schemel 1937 auf der Weltausstellung in Paris erhielt, nicht der Rede wert ist?
Interessant die Ausführungen über die politische Haltung der Tuchfabrikanten in der Nazi-Zeit. Welche politische Haltung in den Führungskreisen der Tuchfabriken vor 1933 und nach 1945 vorherrschte, halte ich für nicht minder interessant. Der Tuchfabrikant Friedrich Huschke, der 1909 starb, galt hier als ein überaus liberaler Mann. Wie anders sein Sohn Max.
Die von den Autoren benutzte Literatur zu entschlüsseln, ist in nicht wenigen Fällen schier unmöglich. So heißt es auf S. 11 in der Fußnote 3 schlicht: „Gerber 1910“, doch gibt das auf Seite 141 fälschlicherweise Quellenverzeichnis genannte Literaturverzeichnis diesen Titel nicht an. Auf S. 22 heißt es als Nachsatz zu einem längeren Zitat „Aus der Vorlage von Dr. phil. Max Kehren (bearbeitet von Günther Esser)“ Was dies bedeutet, bleibt dem Leser verborgen. Ebenso erfolglos gestaltet sich die Suche nach dem Titel, woraus ein Zitat von einem gewissen Otto Rühle auf S. 25 genannt ist.
Hinzuweisen ist auf die Wiederentdeckung einer hier offenbar bislang völlig unbekannten Dissertation zur Frühgeschichte der Gubener Tuchmacherei von Gudrun Thoß, die Rudolf Lehmann in den Niederlausitzer Mitteilungen 1939 als „wertvollen Beitrag zu einer künftigen Wirtschaftsgeschichte der Niederlausitz“ bewertete. Doch hier wird diese 110 Seiten umfassende Arbeit auf wenige Druckseiten eingeschrumpft. Unverständlich bleibt auch, weshalb die Autoren den Untertitel dieser Doktorarbeit als deren eigentlichen Titel angeben. Zudem ist nicht immer deutlich, was als Zitat anzusehen ist oder wo die Autoren Eigenes formulieren.
Dagegen wurden zahlreiche für das Thema relevante Veröffentlichungen scheinbar gar nicht ausgewertet. Horst Reschkes „Auf Straßen und in Fabriken“ z. B., der auch antifaschistischen Widerstand in der Gubener Textilindustrie während der Nazi-Zeit dokumentiert. Ebenso bilden die Jahresberichte der Industrie- und Handelskammer der östlichen Niederlausitz in Sorau und später jene der IHK in Cottbus zahlreiche Informationen zur Entwicklung der Gubener Tuchfabrikation. Oder die Betriebszeitung des VEB Gubener Wolle, „Der Gubener Tuchmacher“ die ab 1955 für mindestens ein halbes Dutzend Jahre erschien.
Doch zurück zum geschriebenen Text. Da heißt es S. 119, dass im „Oktober 1953 ... durch die Betriebsparteiorganisation eine Kampfgruppe gebildet“ wurde. Die Frage nach dem „Warum?“ wird erst gar nicht gestellt und somit auch nicht beantwortet. Ich denke mir jedoch: Bestimmt wegen dem Aufstand des 17. Juni 1953. Aber da war doch in Guben „gar nichts weiter los“ – so der Tenor einer Veranstaltung im Juni vergangenen Jahres, einschließlich der entsprechenden LR-Beiträge von Herrn Augustyniak. Also warum wurden dann hier Kampfgruppen gebildet?
Dass der 1927 verstorbene Albert Richter Senior hier gleich zweimal in einer bildlichen Darstellung mit seinem Sohn verwechselt wurde, sei hier nur am Rande bemerkt. Zahlreiche sinnentstellende Schreibfehler lassen nicht selten regelrechten Ärger bei der Lektüre aufkommen. Beispielhaft: Wer vermutet schon hinter „Bormin“ den Sitz des Landeshauptarchivs in Potsdam-Bornim?!
Mängel, Fehler und Auslassungen konnten hier nur an wenigen markante Beispielen angedeutet werden. So steht die Qualität der Broschüre in starkem Kontrast zu den preisgekrönten Leistungen der einstigen Tuchmacher. Es wäre vorteilhaft, nähmen etwaige weitere ABM-Projekte zu regionalen historischen Themen Kontakt mit hiesigen Heimatforschern auf. Im Gubener Heimatkalender-Verein und im Gubener Heimatbund finden sich mit Sicherheit kompetente Ansprechpartner.

Andreas Peter

2004-08-23

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