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Presse
Nanu, da brennt ja noch Licht?!
Aus den Erinnerungen eines alten Gubeners

Herbert ist auf Zack! Ja, das muss man schon sagen. Als ich ihn jüngst in der Stadt traf, trug er am Revers seines Mantels ein Abzeichen. Beim Hinschauen erkannte ich doch tatsächlich ein altes Sportabzeichen, das noch aus der Vorkriegszeit stammen musste.

Dass er die 90 schon zwei Jahre hinter sich gelassen hat, sieht man ihm beileibe nicht an, wenn er mit energischen Schritten die Straßen überquert. „Bei dieser Glätte treibst du dich hier draußen rum“ spreche ich ihn vorwurfsvoll an. „Glätte, wo denn“? Erhalte ich abwehrend zur Antwort. Zugleich tippt er vielsagend mit dem Krückstock auf seine Schuhe. Meine Blicke folgen seinem Zeichen, doch schaue ich wohl sehr zweifelnd drein. Er versteht mein fragendes Gesicht und sagt fast mit Stolz: „Schneeketten – mit denen kann mir nichts passieren“! Jetzt erst erkenne ich die um seine Schuhe gelegten Schnallen und kann nur den Kopf schütteln. Tja, Herbert hat schon ein sonniges Gemüt. Na, wer schon Sommer heißt…

Als ich bei ihm in der guten Stube sitze, holt er ein altes Foto raus. „Hier, das war unsere Fußball-Truppe. Als Kinder haben wir oft auf Schreibers Wiesen rumgebolzt. Na, welcher von der Rasselbande bin ich denn wohl“? Er schaut mich herausfordernd an. Aufmerksam betrachte ich die Gesichter der fast zwei Dutzend Halbwüchsigen, die sich so recht für den Fotografen postiert hatten. Dann geht mein Blick wieder zurück zu Herbert und ich schaue in das markante Gesicht des 92jährigen. „Schwer zu sagen“, gebe ich zu. „Na guck doch mal genau“ höre ich ihn. „Hier in der hinteren Reihe, der vierte von links, mit dem hellen Hemd – das bin ich! Der ganz rechts steht, hieß Appelt und der links vor ihm kniet, hieß Stetter. Und der Kräftige vorn links Wandel. Aber eigentlich geht’s mir ja um den Kleinen hier vorne, der ganz rechts außen kniet. Der mit der Tute am Hosenträger, das war Otto Tock.“

Herbert tippt bei jedem Namen zur Bestätigung auf das Bild. Aus welchem Jahr es genau stammt, lässt sich nicht mehr sagen. Vermutlich Mitte oder Ende der 1920er Jahre. Die Jungens haben offenbar Spaß daran, fotografiert zu werden. Von wem wohl? Auf dem Abzug lässt es sich nicht mehr feststellen. Die Rückseite ist schon zu vergilbt. Ihr „ein und alles“ rahmen sie praktisch ein – ihren Fußball aus richtigem Leder. Wobei „ihr“ genau genommen nicht stimmt. Denn dieser Kinderschatz, der Lederball, gehörte Otto Tock. Sein Vater war nämlich Schumacher und hatte ihn aus Lederresten angefertigt. Das Gubener Einwohnerbuch von 1928 nennt ihn Schäftemachermeister. „Otto hatte noch eine Schwester, die etwas älter war als er“ nimmt Herbert das Gespräch wieder auf. „Wenn uns einer für die Mannschaft fehlte, ist sie immer eingesprungen. Sie war etwas burschikos. Aber Fußball spielen konnte sie ganz gut“ erinnert er sich. „Tocks wohnten doch gleich bei Schreibers Wiesen um die Ecke, im Kastaniengraben Nr. 16. Und wenn wir uns nach der Schule auf dem Spielplatz trafen, musste Otto immer gleich den Ball von Zu Hause holen.“

So stolz auch der kleine Otto auf seinen Lederball war, so wurde es ihm irgendwann doch zuviel, dass er ihn immer holen sollte. Eines schönen Tages hatte er eben einfach keine Lust und war durch nichts dazu zu bewegen. Die anderen wollten zwar gerne Fußball spielen, aber den Ball holen wollte keiner. Schließlich bot sich unser Herbert dafür an, damit es endlich mit dem Spiel losgehen konnte.

„Er liegt gleich unten hinter der Tür“, hörte er Otto noch rufen, als er zu Tocks Wohnung lostrabte. Im Kastaniengraben Nr. 16 befand sich parterre die Synagoge und der Schäftemacher Tock bewohnte mit seiner Familie den oberen Teil des kleinen Hauses. Herbert öffnete also langsam die Tür zur Synagoge und schaute sich in dem halbdunklen Raum nach dem Fußball um. Tatsächlich, da lag er in der Ecke. Froh nahm er ihn an sich und wollte schon wieder gehen. Da fiel sein Blick auf eine Kerze, die dort einsam in einer Ecke flackerte. „Ich dachte so bei mir: Nanu, da brennt ja noch Licht. Das hat wohl jemand vergessen. Bevor noch was passiert, puste ich es lieber aus“ erinnert sich Herbert. Wie gedacht so getan und dann nichts wie hin zu den Freunden, die ihn schon mit großem Hallo empfingen. Schnell war man sich über die Mannschaften einig, doch bevor das Spiel begann, musste Herbert dem Otto noch das mit der Kerze sagen.

Entgeistert sah der kleine Otto unsern Herbert an: „Und du hast sie wirklich ausgemacht?“ presste er mit zitternder Stimme hervor. Als Herbert die Frage etwas unsicher bejahte, platzte es aus Otto heraus: „Ja bist du denn verrückt! Das ist doch das Licht, das ewige Licht! Wenn mein Vater das mitbekommt, setzt es eine ordentliche Tracht Prügel!“ Herbert kam nicht mehr dazu, sich zu verteidigen oder zu entschuldigen. Eiligst rannte Otto nach Hause. Seine Freunde schauten ihm ratlos nach und verstanden gar nichts. „An diesem Tag kam er jedenfalls nicht mehr zum Fußballspielen“, höre ich Herbert wieder.

Nachdenklich nippe ich an meinem Kaffee. Unser Gespräch kommt an dieser Stelle ins Stocken, doch ist dieses Schweigen beredt. Denn beide wissen wir, dass Tocks Juden waren und ihre Wohnung mit der Synagoge am 9. November 1938 verwüstet wurde.

Andreas Peter

2006-02-10

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