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Presse
Es war ein strahlenden Sommertag im Jahre 1945
Historischer Roman nähert sich einem brisanten Thema

Vergangenen Dienstag erlebte eine interessierte Zuhörerschaft die Vorstellung des neuesten Romans der Schriftstellerin Monika Kunze aus Weißwasser. Nach der Premiere von "Zu Hause ist anderswo" auf der gerade zuende gegangenen Leipziger Buchmesse stellte sie ihren 3. Roman in Guben anlässlich der Brandenburgischen Frauenwoche im Kulturzentrum Obersprucke vor.
Eingangs betonte die Schriftstellerin, wie schwer ihr die Arbeit an diesem Buch gefallen war - sind doch autobiographische Züge unverkennbar. Unumwunden erklärte sie dann auch im Gespräch. "Die Hauptperson in diesem Buch, diese Manuela - das bin ich." Und sie führte die Zuhörer zurück in den Sommer des Jahres 1945.
Ort der Handlung ist ein kleines Dorf im sudetendeutschen Gebiet. Hier trug sich "all das" zu, was die damals erst 8 Monate alte Manuela nur aus Erzählungen ihrer älteren Geschwister erfuhr. Doch all dies blieb sehr widersprüchlich und schemenhaft. Jetzt wollte sie es genau wissen und machte sich mit ihrem Mann auf den Weg ins Tschechische. Dorthin, wo sich damals nach Kriegsende grausame Szenen abspielten, als Rache genommen wurde für erlittenes Unrecht und damit neue Verbrechen begangen wurden.
All dies spiegelt sich in dem mehr als 200 Seiten umfassenden Roman wider. Ebenso die Zweifel der Titelfigur. Wozu das alles? Soll doch die Vergangenheit ruhen. Hier wird der Leser Zeuge eines inneren Kampfes zwischen Gefühl und Verstand. Doch gemeinsam finden sie Menschen, die Manuelas Großeltern kannten und auch jene, die ihren Großvater bestialisch ermordeten.
Auf sehr emotionale und einfühlsame Weise breitete Monika Kunze die Handlung vor den Zuhörern aus. Und gerade damit konnte sie bei der Lesung die Herzen der Anwesenden öffnen. Erinnerungen an eigene tragische Erlebnisse wurden wach und das Schicksal Manuelas ermutigte, darüber zu sprechen. Wie schwer es ist, Quälendes in Worte zu fassen, war hier förmlich spürbar. Und auch die Erleichterung, endlich über Dinge reden zu können, die wie Mühlsteine auf der Seele lasten. Reden - ohne anzuklagen und Rachegefühle. „Wäre dieser schlimme Krieg nicht gewesen, wäre alles anders gekommen und den Menschen wäre viel Leid erspart geblieben“, ist von einem Gast der Lesung zu hören. „Und jetzt ist wieder Krieg ... “.
Der große Vorzug dieses Buches liegt darin, das politisch schwer belastete und ideologisch oft missbrauchte Thema der Vertreibung von Deutschen aus dem Sudetenland nach dem 2. Weltkrieg auf emotional anrührende Weise darzustellen. Damit schlägt die Autorin nicht nur eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch zwischen den Generationen.
Der Roman „Zu Hause ist anderswo“ erschien im Gubener Verlag und ist für 10 Euro im Buchhandel erhältlich. (ISBN: 3-935881-13-4)

Andreas Peter

2003-03-26

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